Der aktuelle energiepolitische Kurs der Bundesregierung mit der Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke wird in der Gaswirtschaft heftig kritisiert. Erdgas spielt in dem von Wirtschafts- und Umweltministerium verfassten Konzeptpapier nach Auffassung von Hildegard Müller, Geschäftsführerin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, leider nur eine untergeordnete Rolle. Dabei bilden Gaskraftwerke eine ideale Ergänzung zu den erneuerbaren Energien. Sie sind flexibel einsetzbar, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint.
Erdgas wird von der Bundesregierung aktuell nur am Rande erwähnt. Lediglich für Biogas sind konkrete Fördermaßnahmen vorgesehen. Ein Verweis auf „begrenztes Potenzial“ zeigt aber auch hier die eher geringe Bedeutung aus Sicht der Regierung. Demgegenüber wird der Kohle ein ganzes Kapitel gewidmet. Neue CO2-Speicherverfahren sollen die Klimaverträglichkeit von Kohlekraftwerken erhöhen.
Befürworter von Erdgas als Brückenenergieträger gibt es auch im Umweltbundesamt. Gaskraftwerke sind nach Ansicht der dortigen Experten nicht nur effizient und klimaverträglich, sondern auch gut für die Kraft-Wärme-Kopplung nutzbar. Auch für den Verkehr wird Erdgas zu wenig genutzt und gefördert. Bisher gibt es nur 85.000 Erdgasautos, obwohl das Tankstellennetz mit 800 Stationen gut ausgebaut ist.
Vor allem die Stadtwerke sind von der aktuellen Energiepolitik wenig erfreut. Viele haben in moderne Gaskraftwerke investiert und befürchten nun angesichts der längeren Laufzeiten der Kernkraftwerke mangelnde Rückflüsse. Ein Grund, warum Erdgas in der politischen Diskussion aktuell nicht den nötigen Stellenwert hat, ist offensichtlich die Angst der Politiker vor der russischen Abhängigkeit.