Erdgas als Brücke

    28.06.2011
     

    Auch wenn derzeit ein Erdgasüberangebot besteht, muss das dauerhaft nicht so bleiben. Ein wichtiger Grund für die aktuell komfortable Versorgungssituation ist die Förderung von unkonventionellem Erdgas in den USA im großen Stil. In der Folge hat es das Land geschafft, von Erdgasimporten nahezu unabhängig zu werden. Entsprechende freie Mengen stehen – als Pipelinegas wie als LNG - weltweit zur Verfügung. Verstärkt wird die Entwicklung noch durch Absatzrückgänge im Wärmebereich aufgrund verbesserter Isolierungen und neuer alternativer Technologien, die auf regenerative Energien setzen.

     

    Für eine mittelfristig anziehende Nachfrage nach Erdgas spricht dagegen die drohende Gefahr einer Klimaerwärmung um mehr als zwei Grad. In der Folge wird zwar immer mehr auf Wind, Wasser, Sonne und Biomasse gesetzt, doch stehen diese Energien nur unter Schwankungen zur Verfügung. Daher ist ein komplexes System erforderlich, um jederzeit die erforderliche Menge Strom im Netz sicherzustellen. Fallen Windräder mangels Wind aus, müssen woanders Mengen aus dem Ausland eingespeist werden. Ziehen Wolken auf, sind zusätzliche Wasserkraftkapazitäten zu aktivieren. Die Liste der Gestaltungsmöglichkeiten ließe sich noch länger fortführen. Eine wichtige Rolle können hier Gaskraftwerke spielen. Sie lassen sich bei Bedarf schnell hochfahren, sind in der Realisierung einfacher und kostengünstiger als Kohlekraftwerke, verfügen über eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und überzeugen durch günstige CO2-Werte. Hinzu kommt noch ein weiterer Punkt: Seit Fukuschima hat die Kernenergie ganz erheblich an Zustimmung verloren. Die dramatischen Ereignisse in Japan haben die Einstellung der Menschen nachhaltig verändert. In Deutschland und Italien gibt es bereits klare Bekenntnisse zum Aus- beziehungsweise Nicht-Wiedereinstieg in die Kernenergie. Alleine in Deutschland müssen durch das Abschalten aller Kernkraftwerke bis 2022 rund 22 Prozent der Stromerzeugung über andere Energien gedeckt werden.

     

    Vor diesem Hintergrund sind sich die Experten weitgehend einig: Der Einsatz von Erdgas als Brückentechnologie hat hohe Priorität, wenn es darum geht, die Stromversorgung von morgen sicherzustellen. Dann sind vor allem die Länder in einer komfortablen Situation, die über größere eigene Vorkommen verfügen. 2010 betrug der Anteil von Erdgas am deutschen Primärenergieverbrauch 21,7 Prozent. Das Erdgas kommt aus verschiedenen Quellen, wobei die heimische Förderung mit etwa 13 Prozent der gesamten Menge einen vergleichsweise kleinen Beitrag liefert. Aber er könnte über Kohle- und Schiefergas größer werden. Es handelt sich hier um sogenannte „unkonventionelle Lagerstätten“, die im Gegensatz zu „konventionellen Lagerstätten“ kaum natürliche Fließwege für das Erdgas aufweisen. Größere Vorkommen werden in Deutschland vermutet, und ihre Erschließung könnte die Versorgungssicherheit verbessern. Voraussetzung sind rechtzeitige Probebohrungen, um in fünf bis zehn Jahren Erdgas fördern zu können.


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