Energiemanagement findet bei Unternehmen nicht nur in der Produktion, sondern in einer zunehmenden Dienstleistungsgesellschaft auch in der Verwaltung statt. Rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in der EU beziehen sich auf Gebäude. Die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden ist daher ein politisch wichtiges Ziel. Seit 2006 ist die EU-Gebäuderichtlinie (Energy Performance of Buildings Directive, EPBD) gültig, die europaweit Energieausweise für Gebäude vorsieht.
Energieausweis für Firmengebäude
In Deutschland wurde daraufhin die Energiesparverordnung EnEV zum 1. Oktober 2010 auch für Gewerbeimmobilien aktualisiert. Der Energieausweis informiert über die Energieeffizienz von Gebäudehülle, Heiztechnik, Warmwasserbereitung, Beleuchtung und Klimatisierung. Bei Gebäuden der öffentlichen Hand mit einer Nutzfläche von mehr als 1.000 Quadratmetern ist der Energieausweis noch zusätzlich an einer gut sichtbaren Stelle auszuhängen.
Den Energieausweis gibt es in zwei Varianten: Im Bedarfsausweis wird die energetische Qualität der Gebäudehülle und haustechnischen Anlagen, wie z. B. Heizung und Warmwasserbereitung, sowie der Energiebedarf dokumentiert. Der Energieverbrauch der letzten drei Jahre wird dagegen im Verbrauchsausweis beschrieben. Beim Neubau sind grundsätzlich nur Bedarfsausweise zulässig, ebenso bei älteren nicht sanierten Wohngebäuden (Baujahr bis Ende 1965) mit bis zu vier Wohneinheiten. Ausnahmen gelten für unter Denkmalschutz stehende Gebäude.
Zusätzliches laufendes Controlling
Der Energieausweis ist eine Momentaufnahme. Er reicht daher für ein laufendes Energiemanagement für Firmengebäude nicht aus. Notwendig ist vielmehr ein permanentes Gebäude-Monitoring. Mit „Building EQ“ wurde daher ein internationales Projekt mit finnischen, schwedischen, italienischen und deutschen Partnern gestartet.
Das Ziel des von der EU geförderten Projektes besteht darin, die bei einem Energieausweis ohnehin erhobenen Gebäudedaten mit einem Monitoring (Controlling) der Energieverbräuche weiter zu messen, um die Energieeffizienz von Heizung, Lüftung und Klimatisierung kontinuierlich zu optimieren.
Bisherige Praxisbeispiele und Erfahrungen zeigen, dass in Betriebsgebäuden Einsparungen zwischen 10 und 20 Prozent ohne Investitionen erzielbar sind, indem z. B. die Heizkurve exakt justiert oder Lüftungen bedarfsgerecht geregelt werden.
Für ein professionelles Gebäude-Monitoring sind fünf Mindestdatensätze notwendig: Wetter (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Strahlung), Verbrauch (Strom, Gas, Wasser), Raumklima (Temperatur und Luftfeuchtigkeit von Referenzzonen), Systemdaten (Vor-/Rücklauftemperaturen der Hauptwasserkreise, Zuluft-/Ablufttemperatur sowie relative Zuluft-/Abluftfeuchte der größten Lüftungsgeräte) und Betriebsrückmeldungen (Pumpen und Ventilatoren). Die Messwerte werden mit spezieller Software verarbeitet und visualisiert.
Quelle: www.ise.fraunhofer.de